Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Minimalinvasive radiologische Schmerztherapie

Was ist minimal-invasive Schmerztherapie?

Die minimal-invasive Schmerztherapie kann grundsätzlich an allen Abschnitten der Wirbelsäule durchgeführt werden. Das persönliche Gespräch mit exakter Schilderung der Beschwerdesymptomatik, die körperlich-neurologische Untersuchung sowie die radiologischen Befunde sind wesentliche Bausteine im individuellen Verständnis der Schmerzursache. Nur so kann eine fundierte Entscheidung für die voraussichtlich optimale, individuell angepasste Therapie getroffen werden. Dabei werden unter computertomographischer bzw. auch kernspintomographischer Kontrolle Medikamente oder Implantate mit feinen Injektionsnadeln millimetergenau an die neuralgischen Stellen der Wirbelsäule injiziert. Hierdurch kann bei vielen Patienten eine deutliche Schmerzlinderung bis hin zur Schmerzfreiheit erreicht werden.

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Was genau ist eine periradikuläre Therapie?

ST 3Die periradikuläre Therapie (PRT) ist das am häufigsten eingesetzte schmerztherapeutische Verfahren bei einem Bandscheibenvorfall aber auch anderen Rückenerkrankungen, bei dem unter computer- oder kernspintomographischer Kontrolle schmerzstillende Medikamente millimetergenau an die schmerzende Nervenwurzel gespritzt werden. Hierbei kommen Kortikosteroide und langwirksame Lokalanästhetika zur Anwendung. Die Kortikosteroide führen zu einem Abschwellen der gereizten Nervenwurzel, die Lokalanästhetika reduzieren die lokale Schmerzausstrahlung.

Durch das Abschwellen der Nervenwurzel besteht wieder relativ mehr Platz im Austrittsbereich des Nervs an der Wirbelsäule, so dass ein Bandscheibenvorfall nicht mehr die angrenzende Nervenwurzel irritieren kann. Zudem wirken beide Medikamente antiphlogistisch (entzündungshemmend), so dass die Nervenwurzel nicht mehr so empfindlich auf mechanisch oder chemische Reize (Bandscheibengewebe) reagiert. Durch den Einsatz von Depotmedikamenten wird hierbei ein Langzeiteffekt erzielt.

Was genau ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheiben stellen eine elastische Verbindung zwischen den Wirbelkörpern dar und verleihen der Wirbelsäule so ihre Beweglichkeit. Gleichzeitig dienen sie als Polster, um Stöße abzufedern. Dabei sind sie hohen Belastungen ausgesetzt; schon im Stand wirkt auf die Lendenwirbel eine Kraft, die weitaus höher ist als das Körpergewicht. Bei einem Bandscheibenvorfall reißt der äußere Faserring der Bandscheibe ein und der weiche Gallertkern tritt aus. Dieser kann auf benachbarte Nervenwurzeln drücken. Solche Nervenwurzelirritationen führen in der Regel zu Schmerzen entsprechend dem Versorgungsgebiet der betroffenen Nervenwurzel (radikuläre Schmerzen).

Wie wird ein Patient mit Beschwerden aufgrund eines Bandscheibenvorfalls behandelt?

Bei einem schmerzhaften Bandscheibenvorfall gibt es keine Standardtherapie. Festzuhalten ist jedoch, dass nicht jeder Bandscheibenvorfall gleich operiert werden muss. Im Gegenteil, bei der weltweit größten klinischen Studie (Spine Patient Outcome Research, JAMA 2006; 296: 2485-2487) konnte gezeigt werden, dass die operative Therapie bei lumbalen Bandscheibenvorfällen langfristig einer konservativen Therapie nicht signifikant überlegen ist. Diese Ergebnisse rechtfertigen eine konservative Behandlung, sofern keine Lähmungen oder Blasen-/Mastdarmstörungen bestehen. Zudem birgt jede Operation gewisse Risiken. Diese sind unter anderem Schädigung von Nerven und Gefäßen, Entzündung und Narbenbildung im Operationsgebiet sowie Entwicklung einer lokalen Instabilität der Wirbelsäule. So kann sich ein Patient durchaus auch nach einer Operation schlechter fühlen als zuvor und es können Folgeoperationen notwendig werden.

Zu den gängigen konservativen Behandlungsmaßnahmen zählen physikalische und krankengymnastische Behandlungen, Infusionsbehandlungen, medikamentöse Behandlungen und gezielte Spritzenbehandlungen. Führen diese Behandlungsmaßnahmen zu keiner wesentlichen Besserung der Beschwerden oder kommt es gar im Verlauf zu einer weiteren Beschwerdezunahme, dann sollten die Durchführung einer gezielten minimal-invasive Schmerztherapie in Erwägung gezogen werden.

Die periradikuläre Therapie (PRT) kann sinnvoll angewendet werden:

- bei akuten Bandscheibenprotrusionen und -vorfällen mit Wurzelreizsyndrom, d.h. vom Nacken bzw. Rücken in den Arm bzw. in das Bein ausstrahlenden Schmerzen
- bei Schmerzen aufgrund degenerativ bedingter Veränderungen der Wirbelsäule (Stenosen des Recessus lateralis)
- bei Schmerzen durch Narben nach Bandscheibenvorfällen (Postnukleotomiesyndrom)
- bei chirurgisch ausbehandelten Bandscheibenvorfällen (failed back syndrome)
- als diagnostische Blockaden vor etwaiger Operation

Die Erfolgsquote dieser Behandlungsmaßnahme ist sehr hoch. Bei 60-80% der Patienten klingt die Schmerzsymptomatik vollständig bzw. erheblich ab, bei 10-20% der Patienten kann eine leichte bis mäßiggradige Linderung erreicht werden.

Die periradikuläre Therapie (PRT) sollte nicht zur Anwendung kommen:

- bei Patienten mit Bandscheibenvorfällen und neu aufgetretenen Blasen-/Mastdarmstörungen und/oder Lähmungserscheinungen
- bei Patienten mit schweren Blutgerinnungsstörungen
- bei Patienten, die aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen eine starke Blutverdünnung benötigen (Falithrom, Marcumar)

Was genau ist eine Facettenblockade?

ST 4Die Facettenblockade stellt ein minimal-invasives Therapieverfahren bei diffusen, bewegungsabhängigen nicht-radikulären Rückenschmerzen dar. Diese Beschwerden sind auf Verschleißerscheinungen an den kleinen Wirbelgelenken, aber auch auf Fehlhaltungen der Wirbelsäule zurückzuführen und machen ca. 90% aller Schmerzzustände im Rücken aus.

Die Facettenblockade kann sinnvoll angewendet werden:

- bei pseudoradikulären Schmerzen
- bei Blockierungen und Fehlbelastungen der kleinen Wirbelgelenke
- bei Postnukleotomiesyndrom sowie ergänzend zur PRT

Die Erfolgsquote dieser Behandlungsmaßnahme ist mit über 85% der Patienten in der Akutphase, sowie mit ca. 60% nach 2 Jahren sehr hoch. Üblicherweise sollte diese Therapie auf mehreren benachbarten Gelenken erfolgen.

Behandlungsablauf einer minimal-invasiven Schmerzbehandlung:

Alle schmerztherapeutischen Behandlungen können aufgrund der niedrigen Komplikationsraten problemlos ambulant durchgeführt werden. Eine Behandlung dauert hierbei maximal 10 Minuten und ist aufgrund der örtlichen Betäubung nahezu schmerzfrei.

Nebenwirkungen:
Wie alle eingreifenden Behandlungsformen sind aber auch bei schnittbild-gestützten schmerztherapeutischen Verfahren Nebenwirkungen oder Komplikationen denkbar. Aufgrund der bildgestützten Behandlungsart, die im Gegensatz zu herkömmlichen Röntgenaufnahmen auch Weichteilgewebe wie Nerven oder Blutgefäße darstellt, sind Komplikationen durch Fehllage der Nadel mit Verletzung benachbarter Strukturen oder Injektionen an unerwünschten Lokalisationen jedoch weitgehend ausgeschlossen.

Kostenübernahme:
Die Abrechnung für diese spezielle Form der Schmerzbehandlung wird von den Krankenkassen getragen.

Kommt eine solche Therapie für mich in Frage?

Diese Frage sollte in Zusammenarbeit von Patient, zuweisendem Arzt und dem Radiologen vorab besprochen werden. Nach Klärung der Indikation kann dann ein Termin vereinbart werden. Eine Voranmeldung für die schnittbild-gesteuerten Eingriffe ist aus organisatorischen Gründen und aufgrund der ausführlichen Patientenaufklärung und Untersuchung zwingend erforderlich. Sollten auswärtige Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule bereits erfolgt sein, so bitten wir diese unbedingt zum Behandlungstag mitzubringen. Ebenso wichtig sind für uns sämtliche Unterlagen zu bereits stattgehabten Behandlungen ihrer Wirbelsäulenbeschwerden. Weitere Informationen können Sie über unser Info-Telefon: +49 (391) 67-13030 anfordern.

 

Letzte Änderung: 19.11.2018 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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