Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Minimal invasive Behandlung von Gebärmuttermyomen

Was sind Myome?

Myome sind gutartige Neubildungen der Gebärmutter (Uterus). Ursprung ist die glatte Muskulatur der Gebärmutterwand (Leiomyome), die bei ca. 20-25% aller Frauen auftreten und hierbei wiederum in ca. 5-10% der Fälle Symptome, d.h. chronische Beschwerden verursachen. Symptome können verlängerte oder verstärkte Regelblutungen, Zwischenblutungen, Dauerblutungen, Störungen beim Wasserlassen, Fremdkörpergefühl, Druck auf Nachbarorgane (Darm, Harnblase) oder Mißempfindungen beim Geschlechtsverkehr sein. Myome können eine Größe zwischen wenigen cm bis zu 15cm erreichen. Die Anzahl der Myome in der Gebärmutter kann variieren. Sie können sich an verschiedenen Lokalisationen innerhalb der Gebärmutter befinden. Generell unterscheidet man eine innere oder äußere Lage (intramural, submukös, subserös). Selten sind Myome auch gestielt, d.h. sie sind nur noch mit einem Gewebestiel mit der Gebärmutter verbunden.

Wie entstehen Myome?

Die Ursache für das Auftreten von Myomen ist nicht abschließend geklärt. Sie entstehen im Zeitraum zwischen der ersten Regelblutung und den Wechseljahren. Aus diesem Grunde wird angenommen, dass die Bildung von Myomen von Hormonen abhängig ist. Der eigentliche Auslöser für die Entwicklung eines Myoms ist jedoch nicht bekannt, und auch über die Wechselwirkung der verschiedenen Hormone und Wachstumsfaktoren ist noch wenig bekannt.

Symptome

Bei den meisten Patienten sind Myome symptomlos oder symptomarm. Lediglich bei etwa 20% der Patientinnen mit Gebärmuttermyomen ist letztendlich eine Therapie erforderlich.

Verstärkte RegelblutungenHäufigstes Symptom sind verstärkte oder verlängerte Regelblutungen. Oft kommt es zu einer Anämie (Blutarmut). Zusätzlich kann es zu starken Krämpfen während dieser verstärkten Regelblutungen kommen.

Aufgrund andere möglicher Ursachen für verstärkte Regelblutungen muss die Diagnostik betroffener Patientinnen eine sorgfältige Erhebung der gynäkologischen Vorgeschichte sowie eine gründliche körperliche Untersuchung umfassen. Andere Ursachen können eine Endometriumhyperplasie (krankhafte Verdickung der Gebärmutterauskleidung), Endometriumpolypen, Adenomyose oder auch Gebärmutterkrebs sein. Hierzu ist eine ergänzende gynäkologische Untersuchung im Rahmen der Evaluation der Patientinnen erforderlich.

Schmerzen und Druck im Unterbauch

Weitere Beschwerden können sich als Schmerzen im Unterbauch / Becken äußern. Schmerzen können im Rahmen von Durchblutungsstörungen innerhalb der Myome oder durch den Druck auf benachbarte Organe auftreten.

Wenn es durch Myome zum Druck auf benachbarte Strukturen kommt, äußert sich dies üblicherweise in einem Druckgefühl oder anderen Beckenbeschwerden wie einem Schweregefühl, Blähungen, einem dumpfen Schmerz. Beschwerden können sich bei körperlicher Betätigung, in bestimmten Körperhaltungen oder während des Geschlechtsverkehrs verstärken. Mit zunehmender Größe können Myome auf die Nerven drücken, die das Becken und die Beine versorgen, wodurch Rücken-, Flanken- oder Beinschmerzen verursacht werden.

Im Rahmen einer Kompression der harnableitenden Organe (Harnleiter und Blase) kann es zu häufigem Wasserlassen oder einem Unvermögen, das Wasser zu halten (Inkontinenz) kommen. In seltenen Fällen kann es sogar zu Störungen des Harnabflusses aus den Nieren kommen.

Viele dieser Symptome treten zyklisch auf und nehmen an den Tagen vor und während der Regel zu. Bei entsprechender Größe der Myome können die Schmerzen und Beschwerden jederzeit auftreten.

Bösartige Tumoren der Gebärmutter

In seltenen Fällen, in etwa einem von 1.000, kann es sich bei Raumforderungen des Uterus um sogenannte Leiomyosarkome der Gebärmutter handeln. Neuere Untersuchungen machen es unwahrscheinlich, dass diese Tumore aus vorbestehenden gutartigen Tumoren hervorgehen.

Eine Differenzierung zwischen gut- und bösartigem Tumor ist bildgebend (Ultraschall oder MRT) nicht mit letzter Sicherheit möglich. Selbst in Biopsien ist eine endgültige Diagnose oft nicht zu erzielen, da die Gewebeprobe nicht repräsentativ für den gesamten Tumor ist.

Der Verdacht auf eine bösartige Raumforderung ergibt sich häufig dann, wenn ein mutmaßliches Myom sehr schnell wächst. Auch hier finden sich jedoch meist gutartige Tumoren. Zuverlässig können bösartige Tumore der Gebärmutter nur chirurgisch nachgewiesen werden. Dies geschieht entweder durch alleinige Entfernung der Myome (Myomektomie) oder durch Hysterektomie.

Durchführung der Intervention

Sie werden am morgen des Eingriffs über den Sie bereits im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt gesprochen haben, auf unserer Station aufgenommen. Die eigentliche Intervention findet in der radiologischen Abteilung statt. Die Embolisation von Myomen bedeutet, dass über die zuführenden Gefäße kleinste Partikel in das Myom gespritzt werden, so dass sich diese Gefäße verschließen und das Myom von der Blutversorgung getrennt wird.

Zuerst wird der Punktionsort in der rechten Leiste vor dem Eingriff steril abgedeckt und betäubt. Mittels einer dünnen Nadel wird dann die meist rechte Leistenarterie punktiert und über diese ein kleinkalibriger Katheter in die Beckenschlagader vorgeschoben. Der gesamte Eingriff wird dabei durch Röntgendurchleuchtung kontrolliert. An entscheidenden Punkten werden jeweils Kontroll-Aufnahmen angefertigt.

Nach Platzierung des Katheters jeweils selektiv im rechten und linken zur Gebärmutter führenden Gefäß erfolgt die Embolisation.

Nach erfolgreicher Embolisation werden Katheter und Schleuse in der Leiste entfernt, nach kurzem Abdrücken der Schlagader ein fester Verband (Druckverband) angelegt. Dieser Verband verbleibt bis zum folgenden Morgen.

Während des gesamten Eingriffes wird bereits ein Schmerztherapeutikum sowie Flüssigkeit über einen venösen Zugangsweg infundiert. Insbesondere die Schmerztherapie wird auch nach dem Eingriff fortgesetzt.

Nachbetreuung nach der Intervention

Die Nachbetreuung lässt sich in zwei Phasen einteilen.

In der ersten Phase direkt nach der Myom-Behandlung stehen insbesondere Schmerztherapeutische und entzündungshemmende Maßnahmen im Vordergrund. Zu diesem Zweck werden die Patientinnen auf unserer Station intensiv betreut. Am ersten Tag nach dem Eingriff wird der Druckverband entfernt und die Infusionen auf als Tabletten einzunehmende Medikamente umgestellt. Nach ein bis drei Tagen können die Patientinnen in der Regel aus der stationären Betreuung entlassen werden.

In der zweiten Phase folgt die ambulante Nachbetreuung. Im vorbereitenden Gespräch wurden Sie bereits über "normale" Beschwerden nach einer Myomtherapie wie Druckschmerz, Regelblutungen oder Ausfluß unterrichtet. Auch ein leichter Temperaturanstieg kann teil des so genannten Postembolisationssyndroms sein. Im Regelfall lassen die Beschwerden nach ein bis zwei Wochen nach. Die nach der Entlassung aus der stationären Behandlung verordneten Medikamente sollte sie über den empfohlenen Zeitraum einnehmen.

Bei allen Ihnen ungewöhnlich erscheinenden Beschwerden sollten Sie mit uns oder Ihrem behandelnden Frauenarzt Kontakt aufnehmen. Zu diesem Zweck können Sie uns auch telefonisch in unserer Ambulanz erreichen. Über ein bis zwei Wochen können sich die Patientinnen noch etwas abgeschlagen fühlen, so dass für diesen Zeitraum eine Arbeitspause empfohlen werden kann.

Die weitere Kontrolle der behandelten Myome kann, sollten sich die eigentlichen Beschwerden bessern, durch Ihren behandelnden Frauenarzt mittels Ultraschall erfolgen. Tritt keine Besserung ein oder ergeben sich neue Beschwerden, sollte eine erneute MRT durchgeführt werden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Eine Embolisation von Myomen kann nicht durchgeführt werden bei Patientinnen, welche aus irgendeinem Grunde keine für Gefäßuntersuchungen gebräuchlichen Röntgenkontrastmittel erhalten dürfen.

Eine akute Infektion oder chronische Entzündungsreaktion im Beckenbereich sollte nicht vorliegen.

Bei Vorliegen eines bösartigen Tumors der Gebärmutter ist eine alleinige Embolisation nicht möglich.

Eine Embolisation von Myomen sollte nicht durchgeführt werden, wenn vorherig aus irgendeinem Grunde eine Bestrahlungsbehandlung im Becken (perkutane Radiatio oder Afterloading-Therapie) erfolgt ist.

Alternative Therapien

Medikamentöse Therapien

Zur Behandlung von Myomen können auch alleinig Medikamente verschrieben werden. Es werden dabei meist Progesterone oder GnRH verabreicht (Hormontherapie). Über die Möglichkeit einer Hormontherapie sollten Sie sich mit Ihrem behandelnden Frauenarzt beraten.

Schmerztherapie

Unter Umständen kann eine alleinige Behandlung der im Vordergrund stehenden Schmerzen mit in Tablettenform einzunehmenden Medikamenten vorgenommen werden. Dies ist jedoch letztendlich nur eine Behandlung der Symptome und sollte nicht über einen langen Zeitraum erfolgen.

Operative Therapien

Je nach Ausprägung des Befundes, Ort und Anzahl der Myome können verschiedene Operationen durchgeführt werden. Hierzu sollten Sie sich ebenfalls von Ihrem behandelnden Frauenarzt beraten lassen.

Letzte Änderung: 15.04.2016 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
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