Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Therapie

Grundlagen

Auf unserer Therapiestation (9 Betten) können sämtliche derzeit angebotene Therapien mit offenen Radionukliden durchgeführt werden. Die Station bietet Ihnen moderne 2- und ein 1- Bett-Zimmer mit Bad. Selbstverständlich stehen Ihnen während Ihres Aufenthaltes ein Farbfernseher und ein Telefonanschluss zur Verfügung. Das Benutzen von Mobilfunktelefonen ist ausdrücklich erlaubt.

Die Zimmer der Station unterscheiden sich nicht von den Patientenzimmern auf anderen Stationen, jedoch sind unsichtbare bauliche Maßnahmen getroffen, um der strengen Strahlenschutzverordnung zu entsprechen. Während Ihres Aufenthaltes wird Ihnen iodarme Kost angeboten, wodurch die Aufnahme des Radioiods in Ihre Schilddrüse verbessert werden kann.

Leider ist aus Strahlenschutzgründen Besuchern das Betreten der Therapiestation nicht gestattet. Es können jedoch jederzeit Dinge für Sie abgegeben werden.

Die Radioiodtherapie darf in Deutschland gemäß der Strahlenschutzverordnung nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden. Ihre Aufenthaltsdauer richtet sich nach der verwendeten Aktivitätsmenge, dem individuellen Speicherverhalten und dem zu behandelnden Schilddrüsenvolumen ab.

Auf der Station sind neben den Ärzten 5 Krankenschwestern tätig, die sich um Ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche bemühen. Für den Strahlenschutz sowie für die technisch-physikalische Betreuung ist ein Physiker zuständig.

Die meisten Patienten sind von dem gesamten Aufenthalt sehr angenehm überrascht, da die nuklearmedizinischen Therapien in der Regel schmerz- und weitgehend nebenwirkungsfrei sind.

Vor der stationären Aufnahme

Bitte bringen Sie zur stationären Aufnahme die Einweisung Ihres behandelnden Arztes, sowie Ihre Krankenversichertenkarte mit. Das Krankenhaustagegeld beträgt € 10,- pro Tag.

Weiterhin sollten Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit der genauen Bezeichnung und bisheriger Dosierung (am besten die Originalmedikamente) sowie die wichtigsten Unterlagen über Ihre Erkrankungen (auswärtige Diagnostik und Therapien) mitbringen.

Selbstverständlich dürfen Sie auch mitgebrachte Getränke und Speisen zu sich nehmen.

Saure Bonbons zur Anregung der Speichelproduktion zum Schutz der Speicheldrüsen werden empfohlen.

Mitgebrachtes kann bei Entlassung problemlos sofort wieder mitgenommen werden.

Stationäre Aufnahme

Am Tag der stationären Aufnahme können Sie bis morgens um 7 Uhr ein kleines Frühstück und Ihre Morgenmedizin einnehmen. Bitte melden Sie bis etwa 09:00 Uhr, im Haus 40, in der Anmeldung der Nuklearmedizin. Anschließend können Sie Ihr Gepäck auf unserer Station im Haus 40, im 2. OG ablegen und erfahren weitere notwendige Schritte bezüglich Ihrer Anmeldung.

Nach der Anmeldung erfolgt noch eine Blutentnahme. Auf der Station erfolgt dann ein Aufnahmegespräch mit dem Pflegepersonal und im Anschluss wird die Therapie mit dem Stationsarzt besprochen.

Was sollten Sie beachten?

Damit das Personal keiner unnötigen Strahlenbelastung ausgesetzt wird, sollten Sie darauf achten, Abstand zu halten.

Da das Abwasser in speziellen Abklinganlagen gesammelt werden muss, bitten wir Sie mit Wasser sparsam umzugehen.

Entlassung

Sobald Sie mindestens 2 Tage auf der Therapiestation verbracht haben und die Radioaktivität in Ihrem Körper einen vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzwert unterschritten hat, können Sie nach Hause entlassen werden. Im Regelfall wird Ihnen die Entlassung spätestens einen Tag zuvor bei der Visite mitgeteilt. Bei manchen Patienten ist am Entlassungstag die Durchführung eines so genannten Ganzkörperszintigramms erforderlich. Im Anschluss an die Messung bzw. die Ganzkörperszintigraphie findet noch ein Abschlussgespräch mit dem Stationsarzt statt.

Sie erhalten einen Kurzbrief mit den wichtigsten Informationen zu Ihrem stationären Aufenthalt sowie eine Aufenthaltsbescheinigung. Sie werden im Abschlussgespräch mit dem Stationsarzt individuell über die für Sie geltenden Empfehlungen bezüglich des Verhaltens nach der Therapie aufgeklärt.

Es wird empfohlen noch eine gewisse Zeit Abstand von Kleinkindern und Schwangeren zu halten und den Kontakt zeitlich zu begrenzen. Wir bitten zu beachten, dass eine Schwangerschaft ca. 6 Monate nach erfolgter Radioiodtherapie vermieden werden sollte. Für das Zusammenleben mit Haustieren und deren Versorgung ergeben sich keine Einschränkungen.

Gerne steht Ihnen das Pflege- und Ärzteteam jederzeit für weitere Fragen zur Verfügung. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt und eine schnelle Genesung!

Grundlagen

Das Phäochromozytom ist ein Tumor des Nebennierenmarks, der Katecholamine produziert (Noradrenalin, Adrenalin und Metanephrine). Er ist zu 85 % im Nebennierenmark lokalisiert, kommt jedoch auch in Nervenzellsträngen im Bereich des Brust- und Bauchraums vor (Paragangliom), produziert hier aber fast ausschließlich Noradrenalin. Etwa 15% der Phäochromozytome sind bösartig. Das Phäochromozytom kann einzeln oder im Rahmen eines so genannten MEN 2-Syndroms, beim von-Hippel-Lindau-Syndrom und bei der Neurofibromatose Typ 1 (Morbus Recklinghausen) auftreten. Als typische Symptome treten vor allem anfallsartiger Bluthochdruck oder dauerhafte Blutdruckerhöhungen mit Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen und Schwitzen auf. Weitere Zeichen sind blasse Haut, Blutzuckererhöhung, vermehrte weiße Blutkörperchen und Gewichtsverlust. Da ein Phäochromozytom für den betroffenen Patienten eine ernsthafte Gefahr darstellt, muss eine zuverlässige Labordiagnostik erfolgen. Hierfür steht eine Reihe von Verfahren zur Verfügung, unter anderem die quantitative Bestimmung der Metanephrine im Plasma. Wenn die Metanephrine im Plasma bei wiederholten Messungen erhöht sind, besteht ein starker Verdacht auf ein Phäochromozytom und es muss eine weiterführende Lokalisationsdiagnostik durchgeführt werden. Dies geschieht mittels bildgebender Verfahren wie Computertomographie und Sonographie oder MRT-Bildgebung.

Die Therapie erfolgt durch die operative Resektion. Bei einem einseitigen Phäochromozytom führt man eine totale Entnahme der Nebenniere dieser Seite durch, im Rahmen eines MEN-Syndroms entfernt man beidseitig lediglich das Nebennierenmark. Bei 80 % der Patienten normalisieren sich postoperativ Katecholaminspiegel und Blutdruck.Im Falle einer inoperablen Metastasierung bieten sich systemische Therapieformen wie die Gabe von Somatostatinanaloga (Sandostatin) und Interferonen oder in einigen Fällen auch eine Chemotherapie an.

Eine weitere Möglichkeit ist die spezifische Therapie mit radioaktiv markiertem Meta-Iod-Benzylguanidin.

Gemeinsam mit Internisten, Chirurgen und Strahlentherapeuten wird die bestmögliche Therapiestrategie für jeden Patienten individuell festgelegt.

MIBG-Szintigraphie

Vorbereitend erfolgt im Rahmen der Tumordiagnostik eine Szintigraphie mit dem tumorspezifischen Radiopharmacon Meta-Iod-Benzylguanidin (MIBG). MIBG ist eine chemisch dem Adrenalin und Noradrenalin ähnelnde Substanz, die ähnlich wie die genannten Hormone in das Nervengewebe aufgenommen wird und sich daher vornehmlich in den betroffenen chromaffinen Zellen des Phäochromozytoms anreichert. Die nuklearmedizinische Methode der MIBG-Szintigraphie dient vor allem der Lokalisation von Phäochromozytomen außerhalb der Nebenniere.

I-131-MIBG-Therapie

Die Therapie ist in erster Linie für Patienten mit einem metastasierten Phäochromozytom mit positivem Nachweis einer [123I] MIBG Speicherung in der Szintigraphie und einem Tumorprogress bei Standardtherapie vorgesehen. Dieses Verfahren ist insbesondere für Patienten mit hochdifferenzierten, langsam wachsenden Tumoren/Metastasen geeignet, die erfahrungsgemäß einer Chemotherapie weniger zugänglich sind und bei denen die chirurgischen oder lokalen (Radiofrequenzablation/Chemoembolisation) Möglichkeiten erschöpft sind. Hierbei wird das MIBG mit einem therapeutisch wirksamen radioaktiven Beta-Strahler Iod-131 markiert. Dieser ermöglicht eine interne Strahlentherapie, die selektiv auf die Tumorzellen wirkt und das gesunde Gewebe weitgehend schont. Eine Heilung ist mit der MIBG-Therapie nicht zu erwarten, jedoch lässt sich ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung in bis 50% der Fälle verzögern.

Vor der Therapie

Da sich bei der MIBG-Therapie Reserpin und trizyklische Antidepressiva nachteilig auf die Speicherung auswirken, sollten diese vorher abgesetzt werden. Der Alpha-Blocker Phenoxybenzamin verursacht eine Uptake-Reduzierung, kann jedoch weiter eingenommen werden. Ferner wird eine verzögerte oder herabgesetzte MIBG-Aufnahme auch bei Einnahme von Labetalol, Calciumkanalblockern, Sympathomimetika, Kokain und Phenothiazin beschrieben, hier sollte individuell entschieden werden, ob ein Absetzen der Medikamente vor Therapie notwendig ist. Neben den üblichen Routine-Laboruntersuchungen (Blutbild, Leber-/Nierenparameter) wird vor jeder Therapie die MIBG Speicherfähigkeit der Tumorherde mit einer diagnostischen [123I]MIBG Szintigraphie überprüft. Je nach Tumorart und vorliegender Symptomatik können weitere Untersuchungen wie z.B. Tumormarkerbestimmung oder Langzeit-EKG-/-Blutdruckmessungen notwendig werden. Optional wird zur Abklärung einer Knochenmetastasierung eine Skelettszintigraphie mit [99mTc]DPD durchgeführt.

Vor Beginn der Therapie erfolgt eine medikamentöse Schilddrüsenblockade (Irenatgabe: ab 5 Tage vor Therapie bis 10 Tage nach Therapie: 3 x 30 Tropfen). Um eventuelle Nebenwirkungen zu vermeiden, werden parallel zur MIBG Therapie Begleitmedikamente verabreicht. Zur Vermeidung von Blutdruckkrisen bei hormonaktiven Tumoren wird je ein Beta-Blocker (Propanolol 10 mg (1-0-1)) und ein Alpha-Blocker (Phenoxybenzamin (Dibenzyran) 10 mg (1-0-1)) verabreicht. Zur Prophylaxe einer eventuellen Leberschwellung bei ausgedehnter Lebermetastasierung wird Fortecortin (am Tag der Therapie intravenös, dann oral) mit Pantozol (Magenschutz) verabreicht. Bei Bedarf werden Schmerzmittel und Medikamente gegen Übelkeit/Erbrechen verabreicht.

Ablauf der Therapie

Die Gabe des radioaktiv markierten MIBG erfolgt über einen intravenösen Zugang als Infusion über 4 Stunden unter ständiger Blutdruck- und EKG-Kontrolle, da es zu Bluthochdruckkrisen kommen kann, die jedoch medikamentös behandelt werden können. Die stationäre Therapie dauert in der Regel zwischen 7 und 16 Tagen. Nach Therapie wird eine Ganzkörperszintigraphie am Entlassungstag zur Dokumentation der Verteilung der radioaktiven Substanz durchgeführt. Zusätzlich erfolgen regelmäßige Blutkontrollen. Während der Therapie ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Mögliche Nebenwirkungen der [131I]MIBG- Therapie

Nebenwirkungen treten in der Regel nicht auf. In seltenen Fällen, in denen das Tumorgewebe hormonaktive Substanzen produziert, können unter der Therapie Nebenwirkungen durch vermehrte Freisetzung dieser Substanzen aus dem Tumorgewebe in die Blutbahn entstehen. Zu den bisher bekannten Nebenwirkungen gehören unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit. Möglich sind insbesondere akute Bluthochdruckkrisen. Mittelfristig sind Blutbildveränderungen mit Reduktion der Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) und der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) möglich. Aufgrund der Strahlenbelastung des gesunden Lebergewebes kann es zu einer Funktionseinschränkung der Leber kommen. Bei Patienten mit ausgedehnter Lebermetastasierung kann es durch die radioaktive Bestrahlung des Lebergewebes zu einer Leberschwellung mit vorübergehender Dehnung der Leberkapsel kommen, die Schmerzen hervorrufen kann. Bei Patienten mit ausgeprägter Lebermetastasierung erfolgt daher eine Prophylax Kortison.

Wann kann keine Therapie erfolgen?

Liegt ein schlecht differenzierter Tumor vor kann eine MIBG-Therapie nicht erfolgen. Ist es nach einer Chemotherapie zu einer Knochenmarksdepression gekommen, so würde eine MIBG-Therapie diese verstärken und ist in diesem Fall kontraindiziert. Eine Therapie bei Problemen der Strahlenhygiene (Harninkontinenz, Pflegebedürftigkeit) kann nicht durchgeführt werden.

Nach der Therapie

Nach Therapie sind regelmäßige Kontrollen mit Durchführung von Sonographie, CT und MIBG-Szintigraphie geplant.

Da Blutbildveränderungen mit Reduktion der Zahl der roten Blutkörperchen, der Blutplättchen und der weißen Blutkörperchen möglich sind, wird nach Therapie eine Kontrolle des Blutbildes und der Leberwerte empfohlen.

Die Therapie kann in mehreren Zyklen in Abhängigkeit von der jeweils vor jedem Zyklus überprüften MIBG-Speicherung und den Laboparametern erfolgen.

Grundlagen

Die Radiophosphortherapie wird zur Behandlung einer bösartigen vermehrten Ausschüttung von Blutzellen aus dem Knochenmark z. B. bei der Polycythaemia vera (PV) oder der essentiellen Thrombocythämie eingesetzt. Die Polycythaemia vera ist eine Erkrankung der blutbildenden Zellen im Knochenmark. Obwohl bei der PV in der Regel eine Vermehrung aller drei blutbildenden Zellreihen vorliegt (Vorstufen der roten Blutzellen, weißen Blutzellen und der Blutplättchen), steht im Allgemeinen die chronische Überproduktion der roten Blutzellen (Erythrozyten) im Vordergrund. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten mit PV ist ein bestimmtes Gen (Jak2) verändert, das gemeinsam mit anderen Genen für die Kontrolle der normalen Zellvermehrung verantwortlich ist. Diese genetische Veränderung ist nicht angeboren, sondern wird von wenigen Menschen im Laufe des Lebens erworben. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel oder Durchblutungsstörungen der Finger und der Zehen. Nicht wenige Patientinnen leiden scho n vor der Diagnose längere Zeit an einem unerklärlichen Juckreiz (Pruritus), der insbesondere nach heißem Duschen oder Baden auftritt. Zur Absicherung der Diagnose ist eine Untersuchung des Knochenmarks notwendig.

Was ist mitzubringen?

Bitte bringen Sie Unterlagen, die den Krankheitsverlauf und die angewandten Therapien (z. B. Medikation und Aderlass) betreffen, mit. Unerlässlich ist ebenfalls ein aktuelles Blutbild.

Therapie

Dem Patienten wird eine geringe Menge Radiophosphor (P-32 Natriumphosphat) intravenös verabreicht, welches sich vor allem in die Knochenmarkszellen anreichert. Im Anschluss muss der Patient dazu im Regelfall 48 Stunden auf der Station verbleiben, bis die nicht im Knochenmark gebundene Radioaktivität über die Nieren ausgeschieden ist.

Nebenwirkungen

Wegen ihres leukämogenen Potenzials sollte sie nur bei älteren Patienten ihren Einsatz finden. Bei etwa 14% der mit P-32 behandelten Patienten mit Polycythaemie entwickelt sich bei gleichzeitiger Strahlenbehandlung terminal eine akute Leukämie, die sich dosisunabhängig entwickeln kann aber von individuellen Faktoren abhängig ist, sodass sich das leukämische Potential nicht im Vorfeld abschätzen lässt. Weitere Nebenwirkungen wie eine passagere Anämie, eine Leuko- oder Thrombopenie sind möglich. Sehr selten kann es zu gut behandelbaren Magendarmblutungen kommen. Bei wiederholten Therapien werden selten auch Oteomyelofibrosen sowie die chronische myeloische Leukämie beobachtet.

Prognose

Die Radiophosphor-Therapie wird gut vertragen und bringt lange therapiefreie Intervalle von bis zu 5 Jahren. Die durchschnittliche Remissionsdauer bei einer Einzeldosis von 185-220 MBq liegt bei ca. 3 Jahren. Die Radiophosphortherapie der echten Polycythämie verlängert die mittlere Lebenszeit auf 13 Jahre.

Grundlagen

Bei der Radiosynoviorthese werden chronische, entzündliche Gelenkerkrankungen mit einem radioaktiven Arzneistoff (Radiopharmakon), der direkt in den Gelenkinnenraum gegeben wird, behandelt. Durch fortlaufende Gelenkentzündungen verdickt die Gelenkinnenhaut und es kommt zu einer schmerzhaften Ausbildung eines Gelenkergusses mit Gelenkschwellung. Dieser Prozess führt zu einer Zerstörung des Knorpels und der angrenzenden Knochenlamelle und damit letztlich zur Destruktion des gesamten Gelenkes.

Um das Fortschreiten des gelenkzerstörenden Prozesses aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen wird mit Hilfe einer lokalen und oberflächlichen Bestrahlung die entzündlich verdickte Gelenkinnenhaut zerstört, während das weniger strahlenempfindliche Knorpelgewebe nicht geschädigt wird. Da Beta-Strahler im Gewebe eine maximale Reichweite von nur wenigen Millimetern aufweisen, bleibt die Strahlenwirkung überwiegend auf die Gelenkhaut beschränkt. Daher sind gegenüber Dritten keine besonderen Schutzmaßnahmen erforderlich.

Durch die Verödung der entzündlich veränderten Gelenkinnenhaut, kommt es zu einer verminderten Ergussbildung im Gelenk und damit zur Schmerzminderung und besseren Gelenkbeweglichkeit.

Wirkung

Die Wirkung tritt nach wenigen Tagen, häufig erst nach Wochen ein. Endgültig lässt sich die Wirkung erst nach ca. 4 Monaten beurteilen. Eine erste Kontrolluntersuchung erfolgt 4-6 Tage nach der Therapie und eine weitere ambulante Untersuchung im Rahmen der Nachsorge 4-6 Monate später zur Beurteilung des Therapieerfolges. Der Entzündungsprozess im behandelten Gelenk kann in der Mehrzahl der Fälle angehalten werden. Bei weit fortgeschrittenen Gelenkerkrankungen kann die Behandlung bis zur Schmerzfreiheit wiederholt werden.

Wann wird die Radiosynoviorthese durchgeführt?

Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sollte ein sechsmonatiger konservativer Therapieversuch der Radiosynoviorthese vorausgehen. Sollten die Gelenke auf die Therapie Ihres Orthopäden oder Rheumatologen nicht ansprechen, kommt die Radiosynoviorthese für folgende Erkrankungen in Frage:

Wann kann die Radiosynoviorthese nicht durchgeführt werden?

Therapievorbereitung

Zunächst wird im Rahmen einer Voruntersuchung eine Anamnese erhoben und es erfolgt eine symptombezogene körperliche Untersuchung. Hierzu bitten wir Sie, aktuelle Röntgenbilder des betroffenen Gelenkes in zwei Ebenen und die Vorbefunde Ihres behandelnden Arztes mitzubringen. Die Höhe der Aktivität und die Wahl des Radiopharmakons richten sich nach der Größe des Gelenkes, der Dicke und Beschaffenheit der Gelenkinnenhaut und dem Ausmaß der entzündlichen Aktivität. Mit Hilfe des Ultraschalls wird zum einen das Ausmaß der Verdickung der Gelenkinnenhaut abgeschätzt, und zum anderen das Vorliegen einer Bakerzyste ausgeschlossen. Um das Ausmaß der entzündlichen Aktivität zu objektivieren, wird eine Skelettszintigraphie in 3- bzw. 2-Phasentechnik durchgeführt. Gegebenenfalls erfolgt ein zusätzliches MRT.

Therapieablauf

Unter sterilen Bedingungen wird nach örtlicher Betäubung das Gelenk unter Durchleuchtung punktiert. Die Lage der Punktionskanüle wird gegebenenfalls nach Gabe eines Kontrastmittels kontrolliert und es erfolgt die Injektion des Radiopharmakons. Die Injektionsnadel wird mit physiologischer Kochsalzlösung nachgespült. Um einen Rückfluss des Radiopharmakons in den Stichkanal und ein Abströmen der Aktivität über die Lymphbahnen zu verhindern, muss das behandelte Gelenk ruhiggestellt werden. Sollte eine häusliche Immobilisation nicht gewährleistet sein, ist eine zweitägige stationäre Aufnahme notwendig. Eine strenge Bettruhe ist jedoch nicht erforderlich. Nüchternes Erscheinen ist nicht notwendig.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Gelegentlich kommt es nach intraartikulärer Nuklidinstillation zu einer vorübergehenden entzündlichen Begleitreaktion in den behandelten Gelenken mit kurzfristiger Verstärkung von Gelenkschwellung und Schmerzsymptomatik. Gelegentlich kann es zu Schmerzen, Hitzegefühl oder anderen Missempfindungen kommen. Selten kann es, wie bei allen anderen Gelenkpunktionen, zu einem Bluterguss an der Einstichstelle und sehr selten zu Weichteil-, Kapsel-, Bänder-, Knorpel- oder Nervenverletzungen kommen, die einer Behandlung bedürfen. Infektionen an der Einstichstelle und am darunter liegenden Gewebe lassen sich in aller Regel gut beherrschen. Gelenkinfektionen, die eine langfristige Behandlung erfordern sowie zu Funktionseinschränkungen bis hin zu Gelenkversteifungen führen können, sind sehr selten zu erwarten. Sehr selten kann es zu periartikulären Nekrosen kommen. Hierbei handelt es sich um eine lokale Gewebeschädigung, die mit einer Wundheilungsstörung einhergehen kann und einen operativen Folgeeingriff notwendig mach en könnte. Eine lokale Gewebeschädigung wäre auch durch ein Zurückfließen der eingebrachten Substanz in den Stichkanal möglich, daher erfolgt zur Vorbeugung die Ruhigstellung des behandelten Gelenkes für mindestens 48 Stunden. In Einzelfällen ist eine fieberhafte Reaktion nach der Injektion des radioaktiven Arzneimittels beobachtet worden. Vereinzelt kann ein Lymphödem der behandelten Extremität auftreten.

Bei Allergie und Unverträglichkeit (z.B. Desinfektionsmittel oder Röntgenkontrastmittel) kann es vorübergehend zu leichteren Reaktionen (wie Niesen, Juckreiz oder Hautausschlag) kommen. Schwerwiegende Komplikationen im Bereich lebenswichtiger Funktionen (z.B. Herz, Kreislauf oder Atmung) und bleibende Schäden sind extrem selten. Bei der Behandlung des Hüftgelenkes und der Gelenke der Beine können sich durch die notwendige Ruhigstellung Blutgerinnsel in den großen Venen bilden (Thrombose), die verschleppt werden und ein Blutgefäß verschließen können (Embolie). Bei risikoerhöhenden Umständen (z.B. frühere Thrombosen) kommt als vorbeugende Maßnahme die Gabe gerinnungshemmender Mittel (z.B. Heparin) in Betracht.

Sollten bis zu zwei Tagen nach der Behandlung Schmerzen auftreten, setzen Sie sich bitte mit dem diensthabenden Arzt unserer Klinik in Verbindung.

Radiopharmaca

Im menschlichen Organismus regeln die von der Schilddrüse produzierten Hormone T3 und T4 das Stoffwechselgeschehen im Körper und beeinflussen dadurch entscheidend die körperliche und geistige Aktivität des Menschen. Sie steigern Herztätigkeit und Körpertemperatur, mobilisieren Energiereserven und sind am Eiweißaufbau beteiligt. Daher kann sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion zu ernsthaften Störungen unterschiedlicher Körperfunktionen führen.

Eine medikamentöse Therapie kann die Beschwerden dieser Erkrankung zeitweilig abschwächen, jedoch deren Ursache nicht dauerhaft beseitigen. Dies gelingt nur mit der Radioiodtherapie oder einer operativen Entfernung der betroffenen Schilddrüsenanteile.

Bei der Radioiodtherapie handelt es sich um ein relativ nebenwirkungsarmes Verfahren, mit dem verschiedene Schilddrüsenerkrankungen wirkungsvoll behandelt werden können. Diese Behandlung wird in Deutschland aus Strahlenschutzgründen ausschließlich unter stationären Bedingungen durchgeführt.

Wann ist eine Radioiodtherapie angezeigt?

Wann kann keine Radioiodtherapie durchgeführt werden?

Worauf müssen Sie achten?

Sie sollten eine iodarme Diät (keine Meeresfrüchte) einhalten. Verwenden Sie keine iodhaltigen Medikamente (Röntgenkontrastmittel, Salben etc.).

Voruntersuchungen

Um die genaue Art Ihrer Schilddrüsenerkrankung festzustellen, sind eine Bestimmung der Schilddrüsenhormonwerte im Blut, eine Ultraschalluntersuchung und ein Szintigraphie Ihrer Schilddrüse erforderlich. Ambulant wird wenige Tage vor der Behandlung ein Radioiodtest durchgeführt.

Radioiodtest

Bitte bringen Sie eine Überweisung Ihres Arztes mit. Zur Vorbereitung dürfen Sie mindestens 4 Stunden vor dem Test nichts mehr essen. Nach Gabe einer geringen Testaktivitätsmenge wird das Speicherverhalten Ihrer Schilddrüse beurteilt. Nach ca. 4 Stunden können bereits erste Messungen der prozentualen Aufnahme des radioaktiven Iods (Uptake) erfolgen. Nach 24 Stunden, nach 72 Stunden und am 6. Tag sind Messungen notwendig. Nach 24 Stunden wird mit der gegebenen Aktivität ein Iod-Schilddrüsenszintigramm angefertigt. Aus diesen Messergebnissen und der Ultraschalluntersuchung kann nun die optimale Aktivität an Radioiod, die zur Behandlung Ihrer Schilddrüsenerkrankung erforderlich ist, ermittelt werden. Die Berechnung der Therapieaktivität wird an Hand der Marinelli-Formel bestimmt.

Ziel der Therapie

Im Falle einer Autonomie soll die Schilddrüsenüberfunktion, unter weitgehender Schonung des normalen Schilddrüsengewebes, beseitigt werden. Bei Vorliegen eines M. Basedow ist das Ziel der Therapie die weitgehend funktionelle Ausschaltung der Schilddrüse, da sich nur so das Rezidivrisiko ausschließen lässt.

Die Therapie

Am Aufnahmetag dürfen Sie ab 7 Uhr morgens nichts mehr essen. Zuvor sollten Sie jedoch unbedingt Ihre gewohnten Medikamente einnehmen und ausreichend frühstücken. Bitte achten Sie auf empfohlene Einnahme bzw. Weglassen bestimmter schilddrüsenspezifischer Medikamente.

Zur Behandlung wird Ihnen im Applikationsraum auf der Therapiestation eine Therapiekapsel, entsprechend der für Sie im Radioiodtest errechneten optimalen Therapieaktivität verabreicht. Anderthalb Stunden nach Einnahme der Therapiekapsel dürfen Sie wieder essen.

Damit das Personal keiner unnötigen Strahlenbelastung ausgesetzt wird, sollten Sie ab Einnahme der Therapiekapsel darauf achten, größtmöglichen Abstand zu halten.

In Ihrem Zimmer werden Aktivitätsmessungen durchgeführt. Hierfür ist in der Zimmerdecke über Ihrem Bett ein Detektor angebracht, der die Aktivität von Radioiod in Ihrer Schilddrüse misst. Die Gesamtkörperaktivität messen wir morgendlich.

Während Ihres Aufenthalts dürfen Sie die Therapiestation nicht verlassen und dürfen auch keinen Besuch empfangen.

Es besteht auf der Therapiestation ein absolutes Rauchverbot. Wir empfehlen ggf. das Mitbringen von Nikotinpflaster.

Sie können Ihre private Kleidung bedenkenlos nutzen. Vor der Entlassung erhalten Sie außerdem Empfehlungen zum Verhalten in den ersten Tagen nach der Entlassung.

Mögliche Nebenwirkungen der Radioiodtherapie

Bei der Behandlung großer Strumen mit hohen Aktivitätsmengen, kann es vorübergehend in den ersten Behandlungstagen zu einer Entzündungsreaktion der Schilddrüse kommen, die jedoch mit Hilfe einer Eiskrawatte und entzündungshemmenden Medikamenten sich bessert.

Patienten mit M. Basedow und endokriner Orbitopathie erhalten unter der Therapie Kortikosteroide, um eine Verschlechterung der Augensymptome zu vermeiden.

Da die Speicheldrüsen einen Teil des radioaktiven Iods aufnehmen, muss zu ihrem Schutz ein reger Speichelfluss gewährleistet sein. Hierfür werden Zitronenbonbons verabreicht.

Patienten nach Radioiodtherapie haben kein relevant erhöhtes Risiko an Krebs zu erkranken, auch besteht kein erhöhtes Risiko für genetische Anomalien derer Nachkommen.

Ansprechen der Therapie

Bei mehr als 90 % wird die Überfunktion beseitigt, nur bei ca. 5 % ist eine Nachbehandlung oder eine erneute Radioiodtherapie notwendig. Bei 10 % kann sich eine Unterfunktion entwickeln, die jedoch gut mit Hormonen auszugleichen ist.

Das Volumen einer Struma oder eines Knotens lässt sich um 30-70 % reduzieren.

Beim M. Basedow wird die Überfunktion in über 90% der Fälle beseitigt. Eine lebenslange Behandlung mit Schilddrüsenhormonen ist dann erforderlich.

Entlassung

Sobald die Radioaktivität in Ihrem Körper einen gewissen, vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzwert unterschritten hat und Sie mindestens 2 Tage auf der Therapiestation verbracht haben, können Sie entlassen werden. Nach einem Abschlussgespräch mit dem Stationsarzt erhalten Sie Informationen zu weiteren Kontrolluntersuchungen.

Es wird empfohlen, auch weiterhin für eine gewisse Zeit Abstand von Kleinkindern und Schwangeren zu halten beziehungsweise den Kontakt zeitlich zu begrenzen. Eine Schwangerschaft sollte bis zu ca. 6 Monate nach erfolgter Radioiodtherapie vermieden werden. Für das Zusammenleben mit Haustieren ergeben sich keine Einschränkungen.

Nachsorge

Ihr Hausarzt sollte die Schilddrüsenwerte regelmäßig überprüfen um eine eventuelle Über- oder Unterfunktion frühzeitig zu erkennen. Der Erfolg der Radioiodtherapie ist erst in ca. einem halben Jahr erreicht. Zu dieser Zeit erfolgt im Rahmen der Therapienachsorge eine ausführliche Untersuchung mit der Bestimmung der Schilddrüsenlaborwerte, eine Ultraschalluntersuchung und eine Szintigraphie.

Auch bei Normalfunktion der Schilddrüse nach Therapie, sollten Sie im Intervall von 1-2 Jahren ihre Schilddrüse untersuchen lassen.

Grundlagen

Beim Schilddrüsenkrebs unterscheidet man differenzierte Karzinome (papillär und follikulär) von undifferenzierten Karzinomen (anaplastisch). Des Weiteren gibt es das C-Zell-Karzinom (medullär). Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Mit steigendem Lebensalter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit ein Schilddrüsenkarzinom zu entwickeln. Die Therapie des Schilddrüsenkarzinoms setzt sich aus drei Säulen zusammen, der Operation, der Radioiodtherapie und einer lebenslangen Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Die primäre Therapie eines Schilddrüsenkarzinoms ist chirurgisch. Beim Schilddrüsenkrebs ist grundsätzlich die Entfernung der Schilddrüse angezeigt. Beim entdifferenzierten Schilddrüsenkarzinom wird nach der operativen Entfernung der Schilddrüse meist eine Strahlentherapie des Halses durchgeführt.

Ziel der Radioiodtherapie

Operativ ist es kaum möglich die komplette Schilddrüse zu entfernen. Der verbliebene Schilddrüsenrest kann mit Hilfe der Radioiodtherapie vollständig beseitigt werden. Auch wird die Radioiodtherapie bei Wiederauftreten des Tumors im Bereich des operierten Areals oder bei Absiedlungen angewandt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist eine Aufnahme des Iod-131, was nur bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen gegeben ist. Wo sich iodspeicherndes Gewebe befindet wird in der Ganzkörper-Szintigraphie dokumentiert.

Vorbereitung der Radioiodtherapie

In einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt werden gemeinsam mit dem Patienten die geplanten Untersuchungen der Schilddrüse und die lebenslange Medikation mit Schilddrüsenhormonen und die regelmäßige Nachsorge besprochen. Vor der ersten Radioiodtherapie wird mittels Ultraschall die Größe des verbliebenen Restschilddrüsengewebes bestimmt. Mit der sich anschließenden Szintigraphie wird das zu therapierende Restschilddrüsengewebe dargestellt und sein Speicherverhalten beurteilt. Sollte die Speicherung 20% überschreiten muss in der Regel eine erneute Operation in Betracht gezogen werden.

Wann kann die Radioiodtherapie durchgeführt werden?

Die erste Radioiodtherapie zur Entfernung der verbliebenen Restschilddrüse erfolgt etwa 4-6 Wochen nach der Operation der Schilddrüse. Zu diesem Zeitpunkt liegt eine deutliche Verminderung der Schilddrüsenhormone im Blut vor. Diese Verminderung ist die wichtigste Voraussetzung für die Durchführung einer Radioiodtherapie (TSH > 30 µU/ ml). Aus diesem Grund dürfen Sie nach der Operation und vor der geplanten Radioiodtherapie keine Schilddrüsenhormone, iodhaltigen Medikamente oder iodhaltige Kontrastmittel erhalten. Eine iodarme Diät wird empfohlen. Auch vor eventuell notwendigen Folgeradioiodtherapien bei Rezidiv, Lymphknotenabsiedlungen oder fernen Absiedlungen muss das zwischenzeitig eingenommene Schilddrüsenhormonpräparat 4 Wochen vorher abgesetzt oder alternativ zweimalig ein Hormonpräparat (Thyrogen) vor Therapie gegeben werden. Welches der beiden Verfahren zur Anwendung kommen kann hängt von der individuellen Tumorklassifikation und der aktuellen Befundkonstellation ab. Bitte beachten Sie das Fahrverb ot bei Schilddrüsenunterfunktion.

Wann kann die Radioiodtherapie nicht durchgeführt werden?

Bei Tumoren mit fehlender Iodspeicherung (in der Regel bei medullären, entdifferenzierten oder differenziert onkozytären Schilddrüsenkarzinom) hat die Radioiodtherapie keine Wirksamkeit. Während der Schwangerschaft und Stillzeit wird diese Therapie nicht angewandt. Eine Therapie kann bei Problemen der Strahlenhygiene (Harninkontinenz, Pflegebedürftigkeit) nicht durchgeführt werden.

Die Radioiodtherapie

Am Tag der Therapie sollten Sie mindestens sechs Stunden vorher nicht gegessen haben. Sie erhalten zur Behandlung im Applikationsraum auf der Therapiestation eine Kapsel mit radioaktivem Iod-131, welches aus der Blutbahn vom Schilddrüsenrest aufgenommen wird und sowohl die nach der Operation noch verbliebenen Schilddrüsenzellen als auch mögliche Mikroabsiedlungen, die iodspeichernd sind zerstören soll. Anderthalb Stunden später dürfen Sie wieder essen. Die zerstörende Strahlenwirkung (ß- Strahlung) hat nur eine Reichweite von wenigen Millimetern. Da gleichzeitig aber auch eine Gamma-Strahlung entsteht, und das Personal keiner unnötigen Strahlenbelastung ausgesetzt werden sollte, bitten wir Sie während der Therapie darauf zu achten größtmöglichen Abstand zu halten. Ihre Schilddrüsendosisleistung wird mit einem über dem Bett in der Zimmerdecke angebrachten Detektor gemessen. Ihre Ganzkörperdosisleistung wird morgendlich ermittelt, sodass Sie Ihren ungefähren Entlassungszeitpunkt erfahren. Die Dauer des stati onären Aufenthaltes bei der Radioiodtherapie reicht von 3 bis 5 Tagen, in Einzelfällen auch bis zu 10 Tagen. Während des Aufenthaltes wird auch der aktuelle Wert des Tumormarkers (Thyreoglobulin) bestimmt. Nach der Therapie wird zur Therapiekontrolle am Entlassungstag eine Ganzkörperszintigraphie durchgeführt. Etwaige außerhalb der Schilddrüse vorhandene Absiedelungen werden hierbei dargestellt und ebenfalls mit der Radioiodtherapie behandelt. Die Radioiodtherapie wirkt bis zu drei Monaten nach.

Mögliche Nebenwirkungen der Radioiodtherapie

Unter der hochdosierten Radioiodtherapie kann es selten vorübergehend zu Entzündungen der Schilddrüsen- und Tumorresten kommen. Diese meist gering ausgeprägten Beschwerden können mit entzündungshemmenden Medikamenten und einer Eiskrawatte gut behandelt werden. Da auch die Speicheldrüsen einen Teil des radioaktiven Iods aufnehmen, können sich diese ebenfalls entzünden. Vorübergehend kann es zu einer Magenschleimhautentzündung kommen. Um dem Vorzubeugen, achten Sie bitte gerade in den ersten Tagen der Radioiodtherapie besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine Anregung Ihres Speichelflusses. Gelegentlich wird eine vorübergehende Veränderung des weißen Blutbildes beobachtet. Bei 10-20 % der Patienten, die mit einer hochdosierten Radioiodtherapie behandelt wurden ist eine deutliche dauerhafte Einschränkung der Speichelproduktion, vor allem in den Ohrspeicheldrüsen zu vermerken (Sicca-Syndrom). Das Auftreten von Leukämien (1%) ist dosisabhängig. Bei Patienten mit Absiedlungen in der Lunge k ann es in Folge von wiederholten hochdosierten Radioiodtherapien zu Vernarbungen kommen (< 1%). Bei Männern wird selten bei Hochdosistherapien eine eingeschränkte Spermienproduktion beobachtet. Hinweise auf vermehrte Missbildungen oder andere negative Auswirkungen bei Schwangerschaften nach durchgeführter Radioiodtherapie gibt es nicht. Es sollte jedoch noch 6-12 Monate nach der letzten Radioiodtherapie unbedingt eine geeignete Schwangerschaftsverhütung erfolgen, um eine eventuell notwendige, erneute Applikation von Radionukliden zu ermöglichen.

Nachsorge

Trotz des erfolgreichen Abschlusses der ersten Radioiodtherapie eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms mit einer unauffälligen Ganzkörperszintigraphie und einem nicht mehr messbaren Thyreoglobulinwert, ist eine lebenslange Nachsorge notwendig. Gern begleiten wir Sie in dieser Zeit. Ziel der Nachsorge ist, ein mögliches Wiederauftreten des Karzinoms, bzw. das Auftreten von Absiedlungen rechtzeitig zu erkennen.

Ca. 4 Monate nach Therapie erfolgen im Rahmen der Tumornachsorge ein Gespräch mit dem Arzt, eine körperliche Untersuchung und ein Ultraschall des Halses. Um das Therapieansprechen zu beurteilen wird anschließend stationär eine diagnostische Iod-Ganzkörperszintigraphie angefertigt. Besonders wichtig ist die Kontrolle der lebenslangen Einnahme von Schilddrüsenhormonen, die zusammen mit dem Tumormarker Thyreoglobulin überwacht werden müssen. Bei Patienten mit einem postoperativen Mangel an Parathormon erfolgt eine regelmäßige Kontrolle des Calciums.

Prognose

Die Prognose hängt vom Tumorstadium, vom histologischen Typ und vom Patientenalter ab. Jüngere Patienten haben eine deutlich bessere Prognose.

Die Prognose der differenzierten Schilddrüsenkarzinome ist generell sehr gut. Die 10-Jahres-Überlebensrate wird für papilläre Schilddrüsenkarzinome zwischen 85 und 90 % angegeben, die für follikuläre zwischen 75 und 80 %. Zu Lokalrezidiven kommt es in 5 - 20 % der Fälle, zu Absiedlungen in 10 - 15 %.

Grundlagen

Bei malignen Erkrankungen wie dem Prostata- und Mammakarzinom kann es im fortgeschrittenen Stadium zu einer sehr schmerzhaften Tumorabsiedlung in das Skelettsystem kommen. Therapiemaßnahmen wie Chemotherapie, Schmerztherapie, Hormontherapie oder perkutane Strahlentherapie führen nicht immer zu einer ausreichenden Schmerzlinderung.

Die Therapie mit Radiopharmaka bietet unseren Patienten eine effektive Möglichkeit, Knochenschmerzen zu lindern und dadurch ihre Lebensqualität zu steigern Eine Heilung Ihres Leidens kann durch diese Maßnahme jedoch leider nicht bewirkt werden.

Ziel der palliativen Schmerztherapie ist es, eine möglichst hohe Strahlendosis in den Knochenmetastasen zu erzielen ohne das Knochenmark zu schädigen.

Hierzu werden Radionuklide mit ß-Strahlung verabreicht, welche im Gewebe eine Reichweite von nur wenigen Millimetern haben, sodass die Wirkung der Strahlung weitgehend auf die Metastasen beschränkt bleibt. Die Radionuklide reichern sich bevorzugt am Skelett dort an, wo der Knochenstoffwechsel stark erhöht ist. Dies ist hauptsächlich bei sogenannten osteoblastischen Metastasen der Fall.

Voraussetzungen

Wenn alle primären Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und eine sehr schmerzhafte, multilokuläre bis disseminierte Skelettmetastasierung vorliegt, kann eine Radionuklidtherapie in Betracht gezogen werden.

Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist der szintigraphische Nachweis einer signifikanten Anreicherung dieser Radionuklide in den Metastasen. Hierzu wird ambulant eine Skelettszintigraphie angefertigt.

Instabile Wirbelkörper oder pathologische Frakturen der Wirbelkörper als Ursache der Schmerzsymptomatik sowie auch eine Kompression des Rückenmarkes oder der Nerven sollten vor der Therapie ausgeschlossen sein.

Eine Radionuklidtherapie darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht durchgeführt werden, auch stellt eine Niereninsuffizienz oder eine disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC) eine Kontraindikation für die Durchführung der Therapie dar.

Eine Therapie mit Aredia sollte für die Radionuklidtherapie unterbrochen werden.

Ein aktuelles Blutbild ist unerlässlich.

Therapie

Zur Therapie wird das Radionuklid einmalig intravenös verabreicht.

6 Stunden später wird nach der Injektion von Sm-153-EDTMP ein Ganzkörperszintigramm zur Dokumentation der Tracerverteilung angefertigt.

Die Therapie mit Sm-153-EDTMP erfolgt ambulant.

Nebenwirkungen

Nach der Therapie können die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen um 30-70% des Ausgangswertes absinken, wobei eine erhöhte Infektions- und Blutungsgefahr besteht. Diese knochenmarksuppressive Wirkung kann durch knochenmarkverdrängendes Tumorgewebe, eine zusätzliche Chemotherapie oder eine externe Strahlentherapie verstärkt werden. Daher sollte eine Radionuklidtherapie nicht gleichzeitig, kurz vor oder nach einer Chemotherapie bzw. perkutanen Radiotherapie mit großen Bestrahlungsfeldern durchgeführt werden.

Schmerzlindernde Wirkung

Zu Beginn der Behandlung, in den ersten zwei Tagen nach der Injektion, können die Schmerzen vorübergehend zunehmen. Bei Therapieansprechen (ca. 70%) kommt es innerhalb weniger weiterer Tage zu einem allmählichen Nachlassen der Schmerzen, eine signifikante Besserung der Schmerzsymptomatik ist jedoch erst nach 1-3 Wochen zu erwarten.

Die schmerzlindernde Wirkung der Therapie hält im Regelfall über mehrere Monate an. Das Wachstum der Metastasen wird verlangsamt.

Nach drei Monaten wird zur Therapiekontrolle eine Skelettszintigraphie angefertigt.

Die Radionuklidtherapie kann bei wiederauftretenden Schmerzen bzw. bei unzureichendem Ansprechen der ersten Therapie wiederholt werden. Die Voraussetzung ist ein stabiles Blutbild.

Die Ansprechrate liegt bei der Zweittherapie immerhin noch bei etwa 50%.

Eine erneute Therapie mit Sm-153-EDTMP sollte frühestens nach 4 Monaten erfolgen.

Grundlagen

Jeder Mensch hat neuroendokrine Zellen im Körper, die sich diffus verteilt im Magen-Darm-Trakt, in den Lungen sowie in der Bauchspeicheldrüse befinden. Die Aufgabe dieser Zellen ist die Produktion von verschiedenen Botenstoffen (Hormonen). Bei der Teilung einer neuroendokrinen Zelle ist bei Ihnen wahrscheinlich vor vielen Jahren ein Fehler unterlaufen. Die neu entstandenen neuroendokrinen Zellen haben ihre Erbinformationen verändert und wachsen unter Verdrängung ungehemmt. Neuroendokrine Tumorzellen produzieren häufig zu viele Hormone. Der hohe Hormonspiegel führt dann zu einem malignen Karzinoid - Syndrom. Die Symptome reichen von Wärmewellen, hochrotem Kopf über Durchfall, Alkoholunverträglichkeit bis hin zum Asthma oder Hautproblemen.

Am häufigsten sind die sogenannten GEP-Tumoren (Gastro-, Entero-, Pankreastumore), die im Magen-Darm-Trakt oder in der Bauchspeicheldrüse auftreten. Zu dem Hormon freisetzenden Tumoren gehören die Gastrinome, Insulinome, Glukakonome, VIPome, Somatostatinome und die Karzinoide, die im Vergleich zu anderen Tumorarten meist ein langsames Wachstumsverhalten zeigen. Die Diagnostik besteht aus dem Nachweis des Primärtumors und der Metastasensuche. So lassen sich funktionell aktive Tumoren laborchemisch durch erhöhte Hormonspiegel im Blut oder durch deren Abbauprodukte im Harn nachweisen.

Die GEP-Tumoren besitzen Rezeptoren an der Tumorzelloberfläche, die als Andockstelle für das Hormon Somatostatin dienen. Während diese so genannten Somatostatinrezeptoren (SSTR) auch im normalen Gewebe vorkommen, ist die Dichte an der Tumorzelloberfläche besonders stark erhöht.

Diese Eigenschaft macht diese Tumoren nuklearmedizinischen diagnostischen und therapeutischen Verfahren zugänglich.

Vorbereitung

Zur Darstellung ihres Tumors und dessen Metastasen wird eine In111-Octreotid Szintigraphie nach 5, 24, 48 ggf. 72 Stunden angefertigt. Hierzu wird eine radioaktiv markierte, dem Somatostatin ähnliche Substanz (Somatostatinanalogon) intravenös verabreicht. Diese bindet an die Somatostatinrezeptoren und kann mit einer nuklearmedizinischen Kamera (Gamma-Kamera) registriert werden. Sollte Ihr Tumor in der Szintigraphie genügend Rezeptoren aufweisen, kann die fünftägige ambulante Dosimetrie erfolgen, bei der die für eine erfolgreiche Therapie notwendige Menge an Y-90-DOTATOC ermittelt wird. Da die Nieren durch die Ausscheidung des Radionuklids wesentlich strahlenexponiert sind, muss vor der Therapie die Nierenfunktion u.a. mit Hilfe einer Tc-99m MAG3-Szintigraphie geprüft werden.

Um eine Besetzung der Somatostatinrezeptoren mit dem oft therapeutisch verabreichten Sandostatin zu vermeiden, sollte dieses mindestens 6 Wochen vor Therapie abgesetzt werden.

Y-90-DOTATOC-Therapie

DOTATOC ist eine dem körpereigenen Hormon Somatostatin verwandte Substanz, die bevorzugt an Rezeptoren von neuroendokrinen Tumoren bindet. An diese Substanz wird radioaktives Yttrium-90, ein sogenannter Betastrahler gekoppelt. Er gibt seine Energie im Umkreis von wenigen Millimetern ab, sodass eine interne Strahlentherapie selektiv auf die Tumorzellen wirkt und das gesunde Gewebe weitgehend geschont bleibt. Die Therapie ist insbesondere für Patienten mit hochdifferenzierten, langsam wachsenden Tumoren geeignet, die erfahrungsgemäß einer Chemotherapie weniger zugänglich sind und bei denen die chirurgischen oder lokalen (Radiofrequenzablation oder Chemoembolisation) Möglichkeiten erschöpft sind. Auch Patienten, die einen Progress unter medikamentöser Therapie mit Somatostatinanaloga aufweisen oder Patienten mit ausgeprägter klinischer Symptomatik können von einer Radiopeptid-Therapie profitieren.

Die Therapie kann in mehreren Zyklen erfolgen, wobei die in der Niere erzielte Organdosis als limitierender Faktor gilt. Bei mehr als 80 % der Patienten können Tumorrückbildungen bzw. eine Stabilisierung der Erkrankung erreicht werden.

Therapieverlauf

30 Minuten vor Beginn der eigentlichen Therapie wird über 4 Stunden eine Aminosäurelösung zum Nierenschutz gegeben, um eine übermäßige Aufnahme des radioaktiven Peptids in die Nieren zu verhindern. Zur Prophylaxe einer eventuellen Leberschwellung kann bei Lebermetastasierung Fortecortin mit Pantozol gegeben werden. Das Y-90-DOTATOC wird intravenös verabreicht. Der überwiegende Teil des Strahlers wird über die Nieren ausgeschieden, sodass diese wesentlich strahlenexponiert sind. Daher sollten sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr neben der täglich infundierten 1,5 Liter Kochsalzlösung achten. Es werden Ganzkörperszintigramme nach 1, 4, 6, 24, 30, 48, 54, 72, 96 Stunden ggf. auch später zur Dokumentation des Verbleibs der radioaktiven Substanz und zur Abschätzung der erreichten Herddosen (Tumor-/Organdosen) durchgeführt.

Weiterhin erfolgen in verschiedenen Zeitabständen Blutentnahmen und der Urin muss gesammelt werden.

Die Wirkung der Therapie tritt erst allmählich nach wenigen Wochen bis Monaten ein. Geplant sind in der Regel bis zu 3 Therapiezyklen im Abstand von mindestens 12 Wochen. Aus Strahlenschutzgründen darf die Therapiestation für 48 Stunden nicht verlassen, sowie auch kein Besuch empfangen werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Bei der Injektion kann es zu kurzzeitiger Übelkeit mit Erbrechen kommen (20 %) und es können unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit auftreten. Infolge des Tumorzelluntergangs kann es zu einer mehrtägigen hohen Ausschüttung von Hormonen kommen, die mit Kreislauf- und Atembeschwerden, Übelkeit, Kopfschmerzen, neurologischen Symptomen und einer erhöhten Flush- Symptomatik einhergehen können. Außerdem sind mittelfristig Blutbildveränderungen mit Reduktion der Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der Blutplättchen (Thrombozyten) und der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) möglich. Aufgrund der Strahlenbelastung des gesunden Lebergewebes kann es zu einer Funktionseinschränkung der Leber kommen. Aus diesem Grund wird eine Überwachung des Blutbildes und der Leberparameter empfohlen. Bei Patienten mit ausgedehnter Lebermetastasierung kann es durch die Bestrahlung des Lebergewebes zu einer Leberschwellung mit vorübergehender Dehnung der Leberkapsel kommen, die Schmerzen hervorrufen kann. Dahe r erfolgt eine Prophylaxe mit Kortison. Selten treten allergische Reaktionen auf. Bei mehrmaliger Therapie kann es zu einer Einschränkung der Nierenfunktion kommen.

Wann kann keine Y-90- DOTATOC-Therapie erfolgen?

Wegen der hohen Strahlenexposition der Nieren kann bei eingeschränkter Nierenfunktion mit pathologischer MAG3-99mTc Szintigraphie bzw. erhöhten Kreatinin- oder Harnstoffwerten keine Therapie erfolgen. Auch sind Patienten mit einer anderen malignen Erkrankung oder einem schlecht differenzierten neuroendokrinen Tumor mit hohem Proliferationsindex von der Therapie ausgeschlossen. Bei Vorliegen einer Knochenmarksdepression nach Chemotherapie ist aufgrund der verstärkenden Wirkung von der Therapie abzusehen. Eine Therapie bei Problemen der Strahlenhygiene (Harninkontinenz, Pflegebedürftigkeit) kann nicht durchgeführt werden.

Grundlagen

Das Non-Hodgkin-Lymphom beim Erwachsenen ist eine Erkrankung, bei der Krebszellen im Lymphsystem gefunden werden. Die Lymphknoten, die Milz, die Thymusdrüse und die Rachenmandeln sind Teil des Lymphsystems und wichtige Stationen des Immunsystems.

Da lymphatisches Gewebe an vielen Stellen des Körpers vorkommt, können Non-Hodgkin-Lymphome in fast jedem Teil des Körpers auftreten. Der Krebs kann sich in fast jedes Organ oder Gewebe im Körper ausbreiten, einschließlich Leber, Knochenmark, Milz und Nase.

Non-Hodgkin-Lymphome können auch bei Kindern auftreten. Es gibt viele Typen des Non-Hodgkin-Lymphoms. Einige Typen schreiten schneller voran als andere. Die Histologie der Non-Hodgkin-Lymphome bei Erwachsenen kann zwei Gruppen zugeordnet werden: niedrigmaligne Lymphome, welche langsamer wachsen und weniger Symptome machen, und hochmaligne Lymphome (aggressive Lymphome), welche schneller wachsen. Das follikuläre Non-Hodgkin-Lymphom gehört zu den niedrig malignen Lymphomen.

Die Symptome sind eine schmerzlose Schwellung der Lymphknoten im Nacken, in den Achselhöhlen oder der Leiste, unerklärbares Fieber; Nachtschweiß (schweißgebadet aufwachen), Müdigkeit, unerklärbarer Gewichtsverlust in den letzten 6 Monaten und Hautjucken. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen im Erwachsenenalter. Dabei kommen die Strahlentherapie, die Chemotherapie, die biologische Therapie, Knochenmarkstransplantation, Transplantation von Stammzellen aus dem peripheren Blut und die Radioimmuntherapie in Frage. Bei der Radioimmuntherapie kommt das intravenöse verabreichte 90Y-markierte Zevalin bei der Behandlung von Patienten mit CD20-positiven follikulären Non- Hodgkin- Lymphomen vom B-Zell-Typ zum Einsatz. Hierbei ist der Antikörper Ibritumomab-Tiuxetan gegen das CD20-Antigen gerichtet, welches an der Oberfläche von normalen und malignen B-Lymphozyten exprimiert wird. Gerade für Patienten, die Rezidive nach einer Rituximab-Therapie zeigen oder therapierefraktär sind eignet sich dieses Radiopharmakon zur weiteren Therapie. Des Weiteren eignet sich Zevalin zur Beurteilung und Verlaufskontrolle arzneimittelbedingter Lungentoxizitäten nach Chemotherapie mit Bleomycin oder Amiodaron. Die Indikation zur 90Y-Zevalin-Therapie wird gemeinsam vom Nuklearmediziner und dem Hämatoonkologen gestellt.Vorbereitung
Vor Planung der Therapie werden mit Ihnen alle technischen und klinischen Aspekte der Radioimmuntherapie besprochen. Bitte bringen Sie ein aktuelles Blutbild mit INR, Serum-Kreatinin und Bilirubin, Ihre aktuelle Medikation (wichtig: Medikamente, welche die Gerinnung beeinflussen) und Unterlagen zu Ihrem gesamten Therapieverlauf mit, inkl. aller radiologischen Bilder. Bitte bringen Sie auch alle Unterlagen über vorangegangene Chemotherapien oder perkutane Großfeldstrahlentherapien mit. Eine kurz zuvor durchgeführte Chemotherapie oder perkutane Großfeldstrahlentherapie kann eine nuklidinduzierte Leuko- bzw. Thrombopenie verschlimmern. Daher müssen die Werte für Ihre Leukozyten bei >1.500/mm3 und die Thrombozyten >100.000/mm3 liegen. Männliche junge Patienten werden auf die Möglichkeit einer Samenkonservierung hingewiesen. Für die Therapie müssen Sie nicht nüchtern sein, achten Sie aber auf eine genügende Flüssigkeitszufuhr.

Die Therapie

Am ersten und achten Tag der Therapie erhalten Sie in der Hämatologie eine Rituximab-Infusion. Zusätzlich wird Ihnen am achten Tag in der Nuklearmedizin das Radiopharmacon 90Y-Zevalin als langsame Infusion über 10 Minuten und anschließend Kochsalzlösung verabreicht. Danach erfolgt eine zweitägige stationäre Aufnahme.

Nach der Therapie

Da mit einem Leuko- und Thrombozytenabfall von bis zu 70 % gerechnet werden muss, sind engmaschige wöchentliche Kontrollen des Blutbildes bis zur Erholung des Knochenmarkes erforderlich. Bei Thrombozyten unter 30.000/mm3 können Thrombozytenkonzentrate erforderlich werden.
Der endgültige Therapieerfolg kann etwa 3 Monate nach der Therapie festgestellt werden. Zu dem Zeitpunkt erfolgt eine Nachuntersuchung mit Kontrolle des Blutbildverlaufes.
Eine Schwangerschaft sollte innerhalb eines Jahres nach Therapie vermieden werden. Innerhalb der ersten Woche nach der Therapie sollten alle mit Körperflüssigkeiten kontaminierten Gegenstände gesondert behandelt werden. Das Benutzen von Kondomen wird empfohlen.

Wann kann die Therapie nicht durchgeführt werden?

Nebenwirkungen

Akute Nebenwirkungen sind bei der Erstapplikation von Zevalin nicht zu erwarten.

Unter der Therapie kann es zu Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Heiserkeit, Husten, Übelkeit und Erbrechen kommen. Die während der Therapie auftretenden Schmerzen können von fieberhaftem Schüttelfrost begleitet sein. Auch können Schwindel, Atemnot, Juckreiz und Ödembildung auftreten, welche sich jedoch gut symptomatisch behandeln lassen.
Bei auftretenden Paravasaten besteht die Gefahr von Radionekrosen.

Die myelosuppressive Wirkung erhöht sich mit der Knochenmarksverdrängung durch Tumorgewebe, eine Chemotherapie oder externe Strahlentherapie.
Es besteht ein erhöhtes Risiko ein sekundäres myelodysplastisches Syndrom sowie eine akute myeloische Leukämie zu entwickeln, insbesondere wurde eine kumulative Wirkung nach Behandlungen mit alkylierenden Zytostatika beobachtet.
Zeichen der daraus resultierenden Gerinnungsstörung sind z. B. stecknadelkopfgrosse Einblutungen in der Haut oder Nasenbluten.

Letzte Änderung: 13.12.2018 - Ansprechpartner: Webmaster
 
 
 
 
Anschrift

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Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin

Leipziger Str. 44

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